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Stellungnahme zu den Vorfällen in Gladbach

Liebe Fortuna Fans, nach unserem Auswärtsspiel in Mönchengladbach wird wieder viel über Fortuna und seine Fans diskutiert. Nicht nur das sportliche steht dabei im öffentlichen Raum, sondern auch die Pyrotechnik, die im Gästeblock abgebrannt wurde.

Wir repräsentieren ein breites Spektrum an Fortuna Fans mit vielen unterschiedlichen Ansichten (nicht nur beim Thema Pyro) und als Dachverband ist es unsere Aufgabe, auch zu kritischen Themen selbstbewusst Stellung zu beziehen.

Wir stehen dabei immer für den offenen und kontroversen Dialog mit allen Fans, um die Fanszene in Düsseldorf zusammenzuführen und weiterzuentwickeln. Und besonders nach einem Spiel gegen Mönchengladbach ist es lohnenswert, einige Punkte in dieser Diskussion näher zu betrachten.

Die Behauptung, dass Pyro im Fanblock über die vergangenen Jahre eine gewisse Akzeptanz im Stadion erlangt hat, ist sicherlich nicht weit hergeholt. Wie häufig wurde schon über die tolle Atmosphäre gesprochen und geschrieben und selbst manche Sportmoderatoren konnten sich nicht das eine oder andere nette Wort verkneifen, wenn bei einem Flutlichtspiel bengalische Fackeln das Stadion erhellten. Natürlich immer mit der Eingrenzung der latenten Gefahr und drohenden Strafen durch den Verband.

Diese Entwicklung ging auch damit einher, dass aktive Fans einen verantwortungsvollen Umgang versprachen, der Pyro als (kontroversen) Teil einer Fankultur und damit als Stilmittel wie Fahnen oder Choreos ansah. Es gilt der einfache und zwingende Minimalkonsens unter der Formel: Nichts verlässt die Hand! Es werden keine Böller oder Raketen gezündet und keine Bengalen auf dem Platz geworfen.

Wer eine Akzeptanz für Emotionen und Fankultur erreichen möchte, muss auf so ein unkontrolliertes Zünden verzichten! 

Darüber kann und darf es keine zwei Meinungen geben.

Gegen Mönchengladbach wurde eine selbstgezogene Linie durch einen unkontrollierten Einsatz von Pyro und einer Vielzahl an Böllern überschritten. Neben der Gefährdung dritter, wird damit auch die Gefahr eingegangen, die Fanszene zu entzweien, weil der Minimalkonsens verlassen wird. Auch muss sich jeder darüber bewusst sein, dass der unkontrollierte Einsatz zu weiteren (und vielleicht massiven) Repressionen oder Einschränkungen von Fan-Rechten führt – unter denen alle zu leiden haben.

Gleichzeitig treten nach diesen Vorkommnissen immer und immer wieder dieselben Mechanismen der Empörung in Gang. Es wird beschimpft und beschuldigt (sicherlich nicht immer zu Unrecht).

Dennoch ist es fraglich, finanzielle Vergleiche zwischen DFB-Strafen und dem Etat einer Jugendmannschaft zu ziehen. Ist es wirklich zielführend, eine ohnehin emotionale Diskussion weiter zu polarisieren?

Schließlich liefert unser Stadion einem Glücksspielunternehmen eine Werbeplattform, Fortuna hat seit Jahren wechselnde Wettpartner und eines der Halbzeitspiele wird von einem Holland Casino präsentiert. Sollen wir also nun die Folgekosten der Spielsucht gegenrechnen?

Ganz allgemein haben die vergangenen Jahre einen Punkt verdeutlicht: Weder mit Drohungen noch mit Sanktionen bekommen die Verbände oder die Vereine, dass Verhalten ungeliebter Teile ihrer Fans unter Kontrolle. Zwar ist das Strafregime der Verbände ein Thema für sich, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass auch die schärfsten Strafen, wie die Regressnahme, nichts an der derzeitigen Situation ändern wird. Das soll nicht die finanziellen Verluste herunterspielen, die durch DFB-Strafen drohen. Aber es sollte zu bedenken geben, ob nicht die Vereine zu einer gemeinsamen Lösung mit den Fans und Verbänden kommen müssen, anstatt die Radikalisierung und Konfrontation zu suchen.

Es ist Zeit wieder aktiv ins Gespräch zu kommen und Alternativen abzuwägen. Denn innerhalb der Fan-Szene haben wir Möglichkeiten durch Selbstverwaltung und Diskussion ein Miteinander zu gestalten, dass nicht durch existentielle Strafen, sondern durch gegenseitigen Respekt und Zusammenhalt aufgebaut wird. Der Fußball lebt durch Emotionen und Leidenschaft und Pyrotechnik kann ein Ausdruck einer lebendigen Fankultur sein. Eine Spaltung in „gute“ und „schlechte“ Fans werden wir also nicht hinnehmen. Vielmehr wollen wir mit unserer Stellungnahme auf die Möglichkeit der Selbstregulierung innerhalb der Fankurve hinweisen, die gerade nach Spielen wie gegen Mönchengladbach greifen muss.

Am vergangenen Montag haben wir bereits ein Kurventreffen organisiert, dass nun regelmäßig stattfinden wird und zur gemeinsamen Diskussion beitragen kann.

Wir wollen nicht nur Kritik üben, sondern auch Lösungsansätze bieten, daher werden wir dem Verein Fortuna Düsseldorf in den nächsten Tagen ein Konzept vorstellen, an dem wir gemeinsam weiterarbeiten können.