| Schluffmarie: Kochen, Einkaufen, Maul halten! |
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Unsere Fortuna geht mal wieder neue Wege der Vermarktung. Begrüßenswert für jeden, der weiß, dass sich die Leistungsstärke eines Vereins und damit auch die seiner Lizenzspielmannschaft in der heutigen Zeit meist parallel zu den finanziellen Möglichkeiten desselben bewegt. So war und ist es ein ständiges Ziel der Klubs, neue Kunden – von Verbänden und Vereinen liebevoll Fans genannt – zu gewinnen, die ihr Geld an Kassenhäuschen und Fanartikelständen lassen. Nun hat Fortuna die Frauen für sich entdeckt. Schön, dachten wir vom Supporters Club 2003 (SCD). Denn getreu nach unserem Motto „Der Fußball ist für alle da“ freuen wir uns über jede neue Frau im Stadion genauso wie über jeden Mann, jedes Kind und jeden Rentner, der sein Herz an Fortuna verloren hat. Und da die Marketingabteilung der Fortuna genau hingeschaut hat und gesehen haben will, dass sich der Frauenanteil im Stadion in den vergangenen Jahren gar verdoppelt hat, lag ein Zusatzangebot für unsere weiblichen Fans nah. Doch als wir vor rund einem halbem Jahr die ersten Entwürfe für eine Unterrubrik auf der offiziellen Fortuna-Homepage sahen, trauten wir vom SCD unseren Augen nicht. Keine originelle Form der Kinderbetreuung, die gerade für Mütter von Kleinkindern wichtig gewesen wäre. Etwas wirklich Neues für Frauen, die gerne zum Fußball gehen, aber durch ihr Kind leider keine Zeit dafür haben. Für die, die mit ihrem Klub leiden, mit ihm jubeln. Aber nein, nicht bei Fortuna. Denn hier sollte sich das anvisierte Neupublikum im besten Fall noch nicht mal mit Fußball auskennen, geschweige denn am Spielgeschehen interessiert sein. Dafür sollten aber endlich so existenzielle Fragen eines jeden Fußballfans beantwortet werden, wie welcher Spieler den besten Body hat, wo unsere Spielerfrauen einkaufen gehen und welche Rezepte sie unserem kickenden Personal vorsetzen. Wie blauäugig von uns zu denken, Frauen könnten genauso stark an Taktik und Aufstellung interessiert sein wie ihre männlichen Kollegen. Denn wer nur einen Funken Ahnung hat, weiß genau, dass es für Frauen in jeder Lebenslage nur drei Fragen gibt: Was ziehe ich an? Was koche ich heute? Und was tragen unsere Innenverteidiger (sofern sie dieses Wort kennen) drunter? Wir trugen unsere Kritik trotzdem vor und waren überrascht, dass sich die Marketingabteilung Fortunas verständlich zeigte. Man wolle auch kein anachronistisches Frauenbild vermitteln, sondern lediglich auf die veränderten Begebenheiten im Stadion reagieren, hieß es. Sogar unser Vorstandsmitglied Melissa Schiefer wurde in ein Expertenteam eingeladen, das die ganze Sache noch einmal überarbeiten sollte. Generell lehnten wir das Zusatzangebot auf der Homepage nämlich nicht ab. Wer halt mehr über das Privatleben unserer Spieler erfahren will, soll sich das gern angucken, dachten wir. Nur weigerten wir uns, ein von sexistischen Klischees nur so strotzendes Projekt auch noch explizit an Frauen richten zu lassen. Nun ist das überarbeitete Ergebnis da, oder sagen wir lieber: „Et Schluffmarie“ ist da. Dass allein schon der Name laut Mundartlexikon ein „Spottname“ ist, lassen wir mal getrost außen vor. Denn uns geht es um Inhalte, die dieser virtuelle Fortunafan an die weibliche Fangemeinde senden soll. Und was sehen wir da? Nichts hat sich geändert. Alle unsere Vorschläge wurden ersatzlos gestrichen oder verfremdet und umgeschrieben. Mit dem Zusatz, dass nun sogar Namen aus dem SCD-Vorstand mit eingebunden werden, die den Anschein erwecken, wir wären für diese Art des Marketings mitverantwortlich. Da werden in der Jubelarie der Westdeutschen Zeitung noch schnell Aufsichtsrats-Mitglied und SCD-Vorsitzende Dr. Dagmar Starke und der Fanklub „Böse Mädchen“ als Beispiel für die verschiedensten Facetten der Frauenpower bei Fortuna missbraucht. Dass beide Seiten einen engen Kontakt pflegen und beim Fußball vor allem eins wollen: Fußball gucken, wird der Dramaturgie des Textes geopfert. „Diese Polarisierung zeugt nur von unglaublicher Unkenntnis der Fortuna-Fanszene“, kommentierte Dr. Starke den Artikel. Schluffmarie selber erklärt uns schon auf den ersten Zeilen ihrer Vorstellung, dass sie alles wissen will: „Über meinen Klub, die Trainer, die Spieler und all die anderen, die was zu sagen haben.“ Also auch über das Spielgeschehen? Natürlich nicht. Denn jetzt geht es erst richtig los. Denn wie uns die holde Marie erzählt, wird´s erst richtig spannend, „wenn ich mal wieder einen Blick hinter die Kulissen werfen kann.“ Und nur zwei Sätze später finden wir doch endlich das, was Frauen beim Fußball wollen: „Denn wir schreiben nichts über Tore, Punkte, Meisterschaft, sondern wollen ein paar „Nebengeräusche“, „dat Jedöhns us dem Milljöh“, vorstellen.“ Bravo! Kochen, Shoppen, Ärsche. Ja, so sind die Frauen des 21. Jahrhunderts. Wir alle sind dankbar über die neuen Infos. Was kocht der Claus, wie oft shoppt der Olli und was macht Nicole Christ in der Freizeit? Jetzt noch schnell den rosa Frauenschal, wahlweise auch den mit Blümchen um den Hals und dann ins Stadion. Da kann man so herrlich Rezepte tauschen und sich freuen, wenn einer der strammen Jungs ausgewechselt wird und sein Trikot auszieht. Das Spiel interessiert uns eh nicht. Gute Nacht, Düsseldorf! Supporters Club Düsseldorf 2003 e. V.
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| Letzte Aktualisierung ( Wednesday, 9. September 2009 ) | |||||||
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