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Fans im Visier reloaded - Duisburg und die Folgen

Es war im Frühjahr 2012, als plötzlich Fotos von Fortuna-Fans im Internet die Runde machten. Sie waren von der Braunschweiger Polizei zur Fahndung ausgerufen worden, weil sie im Verdacht standen, im Rahmen des Gastspiels unserer Fortuna im Herbst 2011 Pyrotechnik gezündet zu haben.

Einer stellte sich seinerzeit binnen kürzester Zeit ungläubig der Polizei (siehe Inside SCD 02/2012). Gegen ihn wurde später kein Verfahren eingeleitet, weil sich die - ohnehin lächerlichen - Verdachtsmomente gegen ihn nicht bestätigten. Die Bilder und Berichte aber findet man bis heute im Internet, und natürlich hat er auch nie eine Entschuldigung seitens der Behörden erhalten, obwohl diese aufgrund eines bloßen Verdachts seine Reputation massiv gefährdeten...

Aktuell, genauer gesagt seit letzter Woche Donnerstag, fahndet nun die Duisburger Polizei mit ähnlichen Fotos nach sechs Fortuna-Fans. Der Grund: es besteht der Verdacht, dass eine oder mehrere Personen aus diesem Kreis einen Duisburger Ordner im Rahmen des ohnehin schlagzeilenträchtigen Gastspiels der Fortuna in der nördlichen Nachbarstadt mit Schlägen und Tritten vorsätzlich verletzt haben.

Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: wir protestieren nicht dagegen, dass identifizierte Straftäter für ihr Handeln belangt werden. Wer - egal ob nun am Samstagabend in der Altstadt oder im Umfeld eines Fußballspiels von Fortuna Düsseldorf - einen anderen Menschen vorsätzlich verletzt, der gehört bestraft, da kann es im Grunde keine zwei Meinungen geben.

Dass aber Personen, aus einem bloßen Verdacht heraus derartig diffamiert werden, dass ihre Reputation oder schlimmstenfalls gar ihre Existenz aufs Spiel gesetzt werden (welcher Chef möchte schon einen Angestellten beschäftigen, der von der Polizei aufgrund des Verdachtes an einem Gewaltdelikt beteiligt zu sein öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben wird?), kann aus unserer Sicht nicht hingenommen werden.

Hunderte Fortuna-Fans haben das durch ein vollkommen verfehltes Sicherheitskonzept und das aggressive und gewalttätige Auftreten der Polizei verursachte Chaos rund um das Duisburger Stadion miterleben müssen. Dass hierbei keine Schwerverletzten oder gar Todesopfer zu beklagen waren, ist angesichts der Tatsache, dass einige Fans im allgemeinen Tumult unter die Sicherheitsabsperrungen gerieten, über die dutzende andere in Panik zu flüchten versuchten, nur einer glücklichen Fügung des Schicksals zu verdanken.

Wir fragen uns ernsthaft: durch welche Handlungen oder Bewegungen erweckt man in einem solchen Chaos den Verdacht, eine gewalttätige Handlung begangen zu haben? Genügt es in einer solchen Situation am Ende, einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort zu stehen, um sich einige Monate später plötzlich auf den Titelseiten von RP Online und Co. wieder zu finden? Nochmals: niemand kann etwas dagegen haben, dass zweifelsfrei identifizierte Gewalttäter bestraft werden und sich die Behörden solcher Mittel bedienen, um sie zu fassen. Aber ein bloßer Verdacht darf nicht ausreichen, um Menschen auf eine Stufe mit Schwerverbrechern oder Terroristen zu stellen. Bei einer Kneipenschlägerei kann man auch nicht einfach jeden, der sich zum Zeitpunkt der Schlägerei im Lokal befand, pauschal der Mittäterschaft beschuldigen.

Wie für alle Menschen gilt auch für die sechs auf den Bildern zu erkennenden Personen zunächst einmal die Unschuldsvermutung. Gesetz dem Fall, dass sie mit den beschriebenen Übergriffen gegen den Ordner nichts zu tun haben, wünschen wir ihnen, dass diese Episode für sie ohne Konsequenzen bleibt.